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Die Farben der „Enrosadira“

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Die Dolomiten bestehen aus verschiedenen Gesteinen, was aber auf den ersten Blick nicht unbedingt zu erkennen ist. Was man aber sofort sieht, sind die vertikalen Dolomitwände mit ihren schillernden Farben, die je nach Tageszeit und unterschiedlichen Lichtverhältnissen variieren. Ihren maximalen Zauber erlebt man bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Und deshalb entstehen auch die meisten Fotografien der Dolomiten zu diesen Zeiten des Tages.
Dieses Phänomen trägt in der ladinischen Sprache, die in den Dolomiten weit verbreitet ist, den Namen „Enrosadira“ zu Deutsch Alpenglühen. Ein Schauspiel, das die Gipfel der Dolomiten entflammt und faszinierende Farbspiele aus Rosa, Orange, Rot und Violett erzeugt.
 
 

Dolomit und Licht, reine Magie

Die sogenannte „Enrosadira“ entsteht aus der Begegnung zwischen Fels und Licht, dort wo die Berge vegetationslos sind und während der intensivsten Momente des Tages.
Die Magie zeigt sich, wenn die Sonne den Horizont berührt und sich das Licht dieser Momente über die besondere mineralogische Zusammensetzung des Dolomits legt.
Ein einzelner Fels dieser Gesteinsgipfel ist normalerweise weiß oder leicht rosa. Aber wenn die Sonne über eine dieser herrlichen vertikalen Dolomitwände streift, erfüllt sich der ganze Berg mit Emotionen – genauso wie Menschen erröten, wenn jemand oder etwas ihre Seele berührt.

Ein mythisches Phänomen

Der Begriff „Enrosadira“ bedeutet „rosa werden“. Er erinnert aber auch an die Rosen der Dolomiten-Legende.
Es wird berichtet, dass der Zwergenkönig Laurin, als er besiegt und verraten wurde, erfüllt von Hass seinen Rosengarten mit einem Bann belegte: Niemand sollte die Herrlichkeit der Rosen je wieder sehen können, weder bei Tag noch bei Nacht. Doch Laurin hatte vergessen, die Dämmerung in seinen Bann einzubinden.
Und so erlangte der Rosengarten das ewige Leben im Alpenglühen, wenn er sich bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in seinen traumhaften Farben zeigt.

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Im Misurinasee spiegeln sich die wunderschönen Berge des 5. Teilgebiets – Nördliche Dolomiten – des UNESCO-Weltnaturerbes. Aber er spiegelt auch alte Legenden der Dolomiten wider, die ihm seinen Namen und seinen sagenumwobenen Charakter geben.
Misurina war eine Prinzessin und die Tochter von König Sorapiss. Misurina wünschte sich einen Zauberspiegel, der aber einer Fee gehörte. Aus Schwäche und Liebe zu seiner Tochter verhandelte der Vater mit der Fee. Und so kam es, dass die böse Fee im Gegenzug König Sorapiss in einen Berg verwandelte, um ihrem Garten Schatten zu spenden, damit dieser üppiger gedeihen konnte. Der Zauberspiegel zerbrach in tausend Stücke, als Misurina plötzlich von den Felsen, die ihren Vater verwandelten, hochgezogen wurde, zu Boden ging und starb. Der König, nunmehr in einen Berg verwandelt, vergoss so viele Tränen, dass diese im Tal einen See bildeten, der so geheimnisvoll und widerspiegelnd sein sollte, dass er noch heute den Zauber des Feenspiegels in sich trägt.
Die senkrechten Gipfel und Kämme der Cadini di Misurina, des Sorapiss und der Ostseite des Cristallo beherbergen alle möglichen Dolomitgesteinsarten der Dolomiten. Die Dolomitgesteine sind Zeugnisse aus der Trias und beruhen auf der Evolution eines Teils des Urmeeres Tethys – in dieser Zeit stiegen dank des Lebens, das vom Licht belebt Rückstände, Muscheln und Skelette mit im Meer gelöstem Kalziumkarbonat bildete, riesige Inseln und Klippen aus den Tiefen des Meeres auf. Karbonat-Bauwerke, die heute Berge sind und einst riesige Inseln waren, die vom Meer und der tropischen Sonne umschmeichelt wurden.

San Lucano-Tal: Im Herzen eines Atolls

Das San Lucano-Tal ist eines der schönsten Täler der Dolomiten und eingebettet in vertikalen, endlosen Felswänden.
San Lucano war ein Mann Gottes, der nach vielen Missgeschicken und oft an Wunder grenzenden Ereignissen einen Teil seines Lebens in diesem Tal verbrachte. Es hieß damals Val Serpentina und unter den vielen bekannten Tälern, entschied er sich genau für dieses, um zu meditieren und das Wesentliche zu umarmen. Man sagt, dass er mit einem Bären spazieren ging und lebende Rebhühner unter seinem Mantel hervorfliegen lassen konnte. Im Tal folgte ihm eine Frau namens Vazza. Sie war seine spirituelle Schülerin und auch sie sollte bald Wunder verbringen können: Tatsächlich konnte sie durch das Berühren mit ihrem Stock jede Stelle in eine Wasserquelle verwandeln. In der dem Heiligen geweihten kleinen Kirche, die etwa auf halber Höhe des langen und tiefen Tals liegt, sprudelt noch heute eine Quelle, dessen Wasser seit Jahrhunderten als Wunderwasser gilt.
Die steilen Felsen im San Lucano-Tal dominieren den von seinen Besuchern wahrnehmbaren Raum. Der immense Monte Agner misst über 1600 m ununterbrochen senkrecht verlaufende Felswände. Es wundert also nicht, dass einige der Felswände des Tals als wahre Tempel für Bergsteiger gelten. Einige der Klettertouren zwischen diesen Felsen sind auf der ganzen Welt berühmt und werden nur selten und in jedem Fall nur von erfahrenen Kletterern bezwungen.
Das Tal weckt sehr starke Emotionen, die von der ebenso intensiven Harmonie der vielen Perspektiven und der Sanftheit der U-Form des Tals besänftigt werden.

Zonia-Tal und Monte Cernera

Der Aufstieg auf den Monte Cernera, der durch das Zonia-Tal führt, ist wie ein Aufstieg vom Meeresboden aus der Zeit des Ladiniums (vor 242-247 Millionen Jahren, während der Trias befand sich hier ein Meer). Er führt den Kletterer entlang der Böschung einer einstigen aus Organismen bestehenden, tropischen Meeresinsel.
Der Monte Cernera (1.Teilgebiet der Dolomiten UNESCO – Pelmo, Croda da Lago) ist eines der am besten erhaltenen Beispiele einer Insel des Archipels der Dolomiten. Er besitzt eine erstaunliche geologische Vielfalt und zeigt die aufeinander folgenden Gegebenheiten während der Trias, vor und nach den Vulkanen, welche die Dolomiten durchlebten.
Das dunkle und differenzierte vulkanische Material aus dem vulkanischen Komplex, das sich zwischen Predazzo und der Monzoni-Gruppe absetzte, verursachte wichtige biologische Veränderungen. Betroffen waren verschiedene Meerestiere, die mit der kleinen tropischen Insel in Symbiose lebten. Ein Beispiel hierfür sind die Ammoniten (Verwandte des Nautilus). Sie starben in Massen und gingen in dieser von der vulkanischen Aktivität vergifteten Wasserwelt neben der Insel, dem heutigen Monte Cernera zu Boden – man findet sie heute als Fossilien in den Felsen.
Durch die große Vielfalt der vorhandenen Gesteine, entwickelten sich in einem recht kleinen Areal sehr spezielle Böden und Ökosysteme. So gibt es im Zonia-Tal einige außergewöhnliche Blumen und Pflanzen, die vor allem an besonders feuchte Umgebungen gebunden sind.

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