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San Lucano-Tal: Im Herzen eines Atolls

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Das San Lucano-Tal ist eines der schönsten Täler der Dolomiten und eingebettet in vertikalen, endlosen Felswänden.
San Lucano war ein Mann Gottes, der nach vielen Missgeschicken und oft an Wunder grenzenden Ereignissen einen Teil seines Lebens in diesem Tal verbrachte. Es hieß damals Val Serpentina und unter den vielen bekannten Tälern, entschied er sich genau für dieses, um zu meditieren und das Wesentliche zu umarmen. Man sagt, dass er mit einem Bären spazieren ging und lebende Rebhühner unter seinem Mantel hervorfliegen lassen konnte. Im Tal folgte ihm eine Frau namens Vazza. Sie war seine spirituelle Schülerin und auch sie sollte bald Wunder verbringen können: Tatsächlich konnte sie durch das Berühren mit ihrem Stock jede Stelle in eine Wasserquelle verwandeln. In der dem Heiligen geweihten kleinen Kirche, die etwa auf halber Höhe des langen und tiefen Tals liegt, sprudelt noch heute eine Quelle, dessen Wasser seit Jahrhunderten als Wunderwasser gilt.
Die steilen Felsen im San Lucano-Tal dominieren den von seinen Besuchern wahrnehmbaren Raum. Der immense Monte Agner misst über 1600 m ununterbrochen senkrecht verlaufende Felswände. Es wundert also nicht, dass einige der Felswände des Tals als wahre Tempel für Bergsteiger gelten. Einige der Klettertouren zwischen diesen Felsen sind auf der ganzen Welt berühmt und werden nur selten und in jedem Fall nur von erfahrenen Kletterern bezwungen.
Das Tal weckt sehr starke Emotionen, die von der ebenso intensiven Harmonie der vielen Perspektiven und der Sanftheit der U-Form des Tals besänftigt werden.

Kontext gab es im Laufe der Jahre einige Felsrutsche und andere Naturkatastrophen, wie Lawinen und Überschwemmungen. Auch die Kirche von San Lucano wurde von Katastrophen heimgesucht und sah sich den Launen des nahegelegenen Gebirgsbachs Tegnas und dem Abgang von Schnee- und Felsmassen von diesen bedrohlichen Felswänden ausgesetzt.
Hier verspürt man eine gerechtfertigte, schwindelbedingte Angst, was den starken Charakter dieser Orte bestätigt. Hier empfindet man einen tiefen Respekt, der vielleicht auch auf dem unbewussten körperlichen Eintauchen in das Herz eines der größten Atolle des tropischen Archipels der Dolomiten beruht (der Archipel stammt aus der Trias, genauer aus der Zeit des Ladiniums vor 242-237 Millionen Jahren).
Das San Lucano-Tal ist wie eine Tür der Wahrnehmung, die uns auf einer wunderbaren Raum/Zeit-Reise begleitet. Diese blassen und transzendenten Felswände enthalten die Spuren des Lebens, das sich in den leuchtenden Streifen des antiken und wunderbaren Urmeeres Tethys bündelte.

San Lucano-Tal: kurz gefasst

  • Sehenswertes: Das bezaubernde Dorf Col di Pra, das die typische ländliche Architektur dieser Gegend bewahrt, und die alten Dorfschaften Pra und Lagunaz, die seit dem Jahr 1908 nach einem katastrophalen Abgang von Felsblöcken unbewohnt sind. Heute sind die Ruinen von suggestiven Pflanzen zugewachsen.
  • Wegbeschreibung: Von Belluno aus erreicht man das Tal in 90 Minuten. Auf der Regionalstraße 203 Agordina bis nach Taibon Agordino und dann weiter durch die Ortsmitte, wo das San Lucano-Tal ausgeschildert ist.
  • Wissenwertes: Von Col di Prà aus und aufsteigend in Richtung Casera Campigat erreicht man die „cascate dell’Inferno“ (wörtlich: Wasserfälle der Hölle). Dem Weg bergauf folgend kann man das uralte vulkanische Gestein auf der aus Meeresorganismen gebildeten Triasinsel bewundern (vulkanischer Komplex Cima Pape).
  • Uns begeistert dieser Ort, weil uns die hier zu sehende Steilheit erhebt, ohne dass wir das Gefühl des Limits verlieren.

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Der Misurinasee: der Feenspiegel

Im Misurinasee spiegeln sich die wunderschönen Berge des 5. Teilgebiets – Nördliche Dolomiten – des UNESCO-Weltnaturerbes. Aber er spiegelt auch alte Legenden der Dolomiten wider, die ihm seinen Namen und seinen sagenumwobenen Charakter geben.
Misurina war eine Prinzessin und die Tochter von König Sorapiss. Misurina wünschte sich einen Zauberspiegel, der aber einer Fee gehörte. Aus Schwäche und Liebe zu seiner Tochter verhandelte der Vater mit der Fee. Und so kam es, dass die böse Fee im Gegenzug König Sorapiss in einen Berg verwandelte, um ihrem Garten Schatten zu spenden, damit dieser üppiger gedeihen konnte. Der Zauberspiegel zerbrach in tausend Stücke, als Misurina plötzlich von den Felsen, die ihren Vater verwandelten, hochgezogen wurde, zu Boden ging und starb. Der König, nunmehr in einen Berg verwandelt, vergoss so viele Tränen, dass diese im Tal einen See bildeten, der so geheimnisvoll und widerspiegelnd sein sollte, dass er noch heute den Zauber des Feenspiegels in sich trägt.
Die senkrechten Gipfel und Kämme der Cadini di Misurina, des Sorapiss und der Ostseite des Cristallo beherbergen alle möglichen Dolomitgesteinsarten der Dolomiten. Die Dolomitgesteine sind Zeugnisse aus der Trias und beruhen auf der Evolution eines Teils des Urmeeres Tethys – in dieser Zeit stiegen dank des Lebens, das vom Licht belebt Rückstände, Muscheln und Skelette mit im Meer gelöstem Kalziumkarbonat bildete, riesige Inseln und Klippen aus den Tiefen des Meeres auf. Karbonat-Bauwerke, die heute Berge sind und einst riesige Inseln waren, die vom Meer und der tropischen Sonne umschmeichelt wurden.

Zonia-Tal und Monte Cernera

Der Aufstieg auf den Monte Cernera, der durch das Zonia-Tal führt, ist wie ein Aufstieg vom Meeresboden aus der Zeit des Ladiniums (vor 242-247 Millionen Jahren, während der Trias befand sich hier ein Meer). Er führt den Kletterer entlang der Böschung einer einstigen aus Organismen bestehenden, tropischen Meeresinsel.
Der Monte Cernera (1.Teilgebiet der Dolomiten UNESCO – Pelmo, Croda da Lago) ist eines der am besten erhaltenen Beispiele einer Insel des Archipels der Dolomiten. Er besitzt eine erstaunliche geologische Vielfalt und zeigt die aufeinander folgenden Gegebenheiten während der Trias, vor und nach den Vulkanen, welche die Dolomiten durchlebten.
Das dunkle und differenzierte vulkanische Material aus dem vulkanischen Komplex, das sich zwischen Predazzo und der Monzoni-Gruppe absetzte, verursachte wichtige biologische Veränderungen. Betroffen waren verschiedene Meerestiere, die mit der kleinen tropischen Insel in Symbiose lebten. Ein Beispiel hierfür sind die Ammoniten (Verwandte des Nautilus). Sie starben in Massen und gingen in dieser von der vulkanischen Aktivität vergifteten Wasserwelt neben der Insel, dem heutigen Monte Cernera zu Boden – man findet sie heute als Fossilien in den Felsen.
Durch die große Vielfalt der vorhandenen Gesteine, entwickelten sich in einem recht kleinen Areal sehr spezielle Böden und Ökosysteme. So gibt es im Zonia-Tal einige außergewöhnliche Blumen und Pflanzen, die vor allem an besonders feuchte Umgebungen gebunden sind.

Der eingriffelige Weißdorn

Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Gattung: Weißdorn (Crataegus)
Wissenschaftlicher Name: Crataegus monogyna

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